Ratgeber Fahrzeugtechnik

Reifendruck beim Auto: Rechner, Tabelle und alles, was wirklich zählt

Vier Handflächen gross ist die Fläche, mit der dein Auto die Strasse berührt – und wie gross sie ist, entscheidet der Luftdruck. Hier rechnest du aus, welcher Druck zu deinem Fahrzeug und deiner Beladung passt, prüfst deinen Wert vom Türholm auf Plausibilität und findest die Tabellen für Auto und Anhänger.

Geprüft am 2. August 2026 · Rechtsstand VTS und OBV per 1. Juli 2026

Person misst mit einem digitalen Messgerät den Reifendruck am Vorderrad eines Autos

Auf einen Blick

  • 2.0 – 3.0 bar Übliche Spanne beim PKW Verbindlich ist immer der Wert am Türholm oder in der Tankklappe.
  • Kalt So wird gemessen Fahrzeug stand 2 Stunden oder fuhr höchstens 3 km langsam.
  • Monatlich Prüfintervall Reifen verlieren rund 0.1 bar pro Monat – von allein.
  • +0.2 bar Bei Beladung oder zügiger Fahrt TCS-Empfehlung, sofern das Fahrzeug keine eigene Volllast-Spalte hat.
  • 1 bar = 14.5 psi Einheiten 1 bar sind auch 100 kPa. In der Schweiz wird in bar gerechnet.
  • 1.6 mm Mindestprofiltiefe (Gesetz) Art. 58 Abs. 4 VTS. Das ASTRA empfiehlt 3 mm im Sommer, 4 mm im Winter.

Reifendruck-Rechner

Verbindlich ist der Wert am Türholm deines Autos. Der Rechner sagt dir, ob er zu deiner Beladung noch passt und wie viel Reserve dahinter steckt – und rechnet für Anhänger den Druck aus, für den es keine Plakette gibt.

Steht im Fahrzeugausweis unter «Leergewicht».
Die Zahl nach der Grösse: 235/45 R18 98V.
Standard gilt bei 2.5 bar, XL und HL bei 2.9 bar.
Bestimmt, wie sich das Leergewicht auf die Achsen verteilt.
Wenn du ihn einträgst, prüft der Rechner ihn, statt zu raten.
Leer lassen, wenn dein Aufkleber nur einen Wert nennt.
Gerechnet mit 75 kg pro Person.
Dachbox, Ski- oder Veloträger inklusive Eigengewicht.
Das Gewicht, das die Deichsel auf die Kupplung drückt.

Wo der richtige Reifendruck für dein Auto steht

Es gibt genau eine verbindliche Quelle, und sie klebt an deinem Auto. Alle Tabellen im Internet – auch die weiter unten auf dieser Seite – sind Orientierung.

  • Türholm der Fahrertür

    Der häufigste Ort. Fahrertür ganz öffnen und den Aufkleber an der B-Säule oder am Türrahmen suchen. Dort stehen die Werte meist getrennt nach Vorder- und Hinterachse und nach Beladungszustand.

  • Innenseite der Tankklappe

    Zweithäufigster Ort, vor allem bei französischen und italienischen Marken.

  • Handschuhfach

    Entweder als Aufkleber im Deckel oder als Tabelle in der Betriebsanleitung.

  • Betriebsanleitung

    Enthält immer die vollständige Tabelle – inklusive der Werte für Reifengrössen, die dein Auto ab Werk gar nicht hatte.

Die Reifenflanke lesen: 235/45 R18 98V

Was die Zeichen auf der Reifenflanke bedeuten
ZeichenBedeutung
235Reifenbreite in Millimetern.
45Querschnittsverhältnis in Prozent: Die Flanke ist 45 % der Breite hoch, hier also rund 106 mm.
RRadialbauweise. Achtung: «RF» steht je nach Hersteller für Reinforced oder für Run Flat – zwei völlig verschiedene Dinge.
18Felgendurchmesser in Zoll.
98Lastindex. 98 bedeutet 750 kg pro Reifen – aber nur bei 2.5 bar. Genau diese Kopplung macht der Rechner sichtbar.
VGeschwindigkeitsindex. V steht für 240 km/h.
Reifenflanke mit der Grössenbezeichnung 235/45 R18 98V – Breite, Querschnitt, Felgendurchmesser, Lastindex und Geschwindigkeitsindex
Reifenflanke mit der Prägung MAX LOAD 650 kg und MAX INFLATION 3.0 bar – die Obergrenze des Reifens, nicht der Betriebsdruck des Fahrzeugs
Genau dieser Wert ist gemeint: MAX INFLATION 3.0 bar ist die Obergrenze des Reifens. Der Betriebsdruck deines Fahrzeugs steht am Türholm und liegt fast immer darunter.

Nicht verwechseln: Der Wert «MAX PRESS» auf der Flanke ist der maximal zulässige Kaltfülldruck des Reifens – nicht der Betriebsdruck deines Fahrzeugs. Wer danach füllt, fährt fast immer mit deutlich zu viel Luft.

Reifendruck richtig messen

Fünf Minuten an der Tankstelle, einmal im Monat. Wichtig ist vor allem eines: Der Reifen muss kalt sein.

  1. Sollwert nachschlagenTürholm, Tankklappe oder Handschuhfach. Notiere beide Werte – Vorderachse und Hinterachse sind oft unterschiedlich, und viele Fahrzeuge haben eine zweite Spalte für volle Beladung.
  2. Kalt messenDas Fahrzeug sollte zwei Stunden gestanden haben oder höchstens 3 km langsam gefahren sein. Nicht in der prallen Sonne messen. Wähle die nächstgelegene Tankstelle, nicht die günstigste.
  3. Ventilkappen abschraubenAlle vier – und leg sie irgendwohin, wo sie nicht wegrollen. Das Reserverad nicht vergessen: Es verliert genauso Luft und wird ausgerechnet dann gebraucht, wenn es niemand geprüft hat.
  4. Messkopf gerade aufsetzenFest und rechtwinklig aufdrücken, bis das Zischen aufhört. Schräg angesetzt entweicht Luft und der Messwert ist zu tief.
  5. Auf den Sollwert bringenNachfüllen oder ablassen, bis der Wert stimmt. Danach an jedem Rad gegenmessen – Tankstellengeräte sind nicht geeicht und weichen untereinander ab.
  6. Ventilkappen wieder draufSie halten Schmutz und Feuchtigkeit vom Ventil fern. Zum Schluss das Kontrollsystem im Bordcomputer zurücksetzen, sonst warnt es weiter oder – schlimmer – gar nicht mehr richtig.
Druckluftstation an einer Tankstelle zum Prüfen und Korrigieren des Reifendrucks

Du kannst nur warm messen? Dann stell nicht auf den Sollwert ein, sondern auf Sollwert plus 0.3 bar – und lass danach keine Luft mehr ab. Michelin gibt genau diese Faustregel an. Der höhere Druck im warmen Reifen ist konstruktiv eingeplant; wer ihn wegnimmt, fährt nach dem Abkühlen mit Unterdruck.

Kalt messen – und was die Temperatur wirklich macht

Ein Reifen ist ein geschlossenes, praktisch starres Volumen. Deshalb steigt und fällt der Druck darin mit der absoluten Temperatur. Wer das in Überdruck statt in Absolutdruck rechnet, unterschätzt den Effekt – genau das tut die verbreitete Faustregel «0.1 bar pro 10 °C». Sie stimmt nur für einen Reifen mit knapp 1.9 bar; bei 2.5 bar sind es 0.12 bar, bei einem Anhängerreifen mit 3.5 bar schon 0.15 bar.

Ein Reifen, im Flachland auf 2.5 bar gefüllt bei 20 °C – was er bei anderen Temperaturen anzeigt
TemperaturAnzeigeDifferenz
-15 °C 2.09 bar −0.41 bar
-10 °C 2.15 bar −0.35 bar
-5 °C 2.20 bar −0.30 bar
0 °C 2.26 bar −0.24 bar
+5 °C 2.32 bar −0.18 bar
+10 °C 2.38 bar −0.12 bar
+20 °C 2.50 bar +0.00 bar
+30 °C 2.62 bar +0.12 bar
+40 °C 2.74 bar +0.24 bar
+50 °C 2.85 bar +0.35 bar

Berechnet nach dem Gesetz von Amontons/Gay-Lussac auf Absolutdruck, Umgebungsdruck für 400 m ü. M.

Der praktische Kern: Ein Reifen, den du im August bei 20 °C korrekt gefüllt hast, zeigt im Januar bei −10 °C nur noch rund 2.15 bar. Das sind 0.35 bar Unterdruck, ohne dass er ein Loch hätte. Nach dem ersten Kälteeinbruch nachfüllen ist die wichtigste Reifendruck-Handlung des Jahres.

Ein kalter Reifen zeigt weniger Druck an als derselbe Reifen im warmen Zustand

Höhenlage: Warum der Druck am Berg steigt

Kein einziger der Ratgeber, die in der Schweiz für «Reifendruck» auf Seite 1 stehen, erwähnt die Höhenlage. Dabei fährt hier jeder irgendwann über einen Pass. Also der Reihe nach.

Ein Manometer misst nie den absoluten Druck im Reifen, sondern immer die Differenz zur Umgebung. Der Reifen ist dicht – die Luftmenge in ihm ändert sich beim Hochfahren nicht. Was sich ändert, ist der Bezugswert: Oben ist die Umgebungsluft dünner, also zeigt dasselbe Gerät am selben Reifen einen höheren Wert an. Der Reifen wird dadurch minimal härter, nicht weicher – Tragfähigkeit und Einfederung hängen am Überdruck, und der steigt.

Umgebungsdruck und Anzeige eines Reifens, der auf 400 m mit 2.5 bar gefüllt wurde
Höhe Beispiel Umgebungsdruck Anzeige am Reifen
0 m Meereshöhe 1.013 bar 2.45 bar
400 m Zürich, Bern, Luzern, Zug 0.966 bar 2.50 bar
800 m Einsiedeln 0.921 bar 2.55 bar
1'200 m Andermatt 0.877 bar 2.59 bar
1'600 m Davos 0.835 bar 2.63 bar
2'000 m Grimselpass 0.795 bar 2.67 bar
2'400 m Nufenenpass 0.756 bar 2.71 bar

Berechnet nach der barometrischen Höhenformel der ICAO-Standardatmosphäre, bei konstanter Temperatur.

Von Zürich auf 400 m hinauf zum Nufenenpass auf 2400 m sind es rund 0.21 bar mehr Anzeige. Gleichzeitig ist es oben typischerweise 10 bis 13 °C kälter, was 0.12 bis 0.16 bar wieder wegnimmt. Unter dem Strich bleiben etwa 0.05 bar – weniger, als die meisten Tankstellen-Manometer auflösen. Für den Alpenpass musst du nichts anpassen.

Der Effekt, der wirklich zählt, ist der jahreszeitliche: Von 20 °C im August auf −10 °C im Januar verliert derselbe Reifen 0.35 bar. Das ist das Siebenfache des Passeffekts – und dort liegt der Handlungsbedarf.

Auto auf einer Alpenpassstrasse – in der Höhe steigt der angezeigte Reifendruck

Beladung, Anhänger und Stützlast

Anhängerreifen laufen mit 3 bis über 6 bar – teils dem Doppelten eines Autoreifens. Das wirkt willkürlich, hat aber einen einfachen Grund und eine Norm dahinter.

Ein Auto fährt fast immer deutlich unter der Tragfähigkeitsgrenze seiner Reifen. Ein beladener Anhänger ist konstruktiv so ausgelegt, dass die Achslast praktisch der Tragfähigkeit der Reifen entspricht. Und Tragfähigkeit entsteht aus Luftdruck. Deshalb landet man beim Anhänger fast immer am oberen Ende der Tabelle – nicht, weil «Maximaldruck» eine Regel wäre.

Die ETRTO-Anhängerregel

An Anhängern mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 100 km/h darf ein PKW-Reifen 10 Prozent mehr tragen als am Auto – dafür braucht er 0.2 bar mehr Druck. Bei C-Reifen sind es 5 Prozent mehr Tragfähigkeit bei 6 Prozent mehr Druck. Konkret: Ein 155/80 R13 mit Lastindex 79 trägt am Auto 437 kg bei 2.4 bar – am Anhänger 480 kg bei 3.0 bar.

  • C-Reifen haben keinen Normdruck

    Das «C» hinter der Grösse steht für Commercial und ist nach ECE-R54 genormt. Anders als bei PKW-Reifen gibt es dort keinen einheitlichen Referenzdruck – je nach Grösse und Tragfähigkeitsstufe liegt er zwischen 3.75 und 5.75 bar. Deshalb fragt der Rechner im C-Modus nach dem Wert vom Typenschild, statt einen zu erfinden.

  • Die Herstellerangaben widersprechen sich

    Für dieselbe Nenngrösse nennen verschiedene Anhängerhersteller unterschiedliche Werte – bei 225/55 R12C reicht die belegte Spanne von 5.3 bis 6.2 bar, bei 155 R13C von 2.8 bis 3.5 bar. Ursache sind meist verstärkte Varianten hinter derselben Bezeichnung. Und die Klassiker-Verwechslung kostet 1.5 bar: 185 R14 ist ein PKW-Reifen mit 3.0 bar, 185 R14C ein C-Reifen mit 4.5 bar. Verbindlich ist deshalb immer das Typenschild deines Anhängers, nie eine Tabelle aus dem Internet – auch nicht diese.

  • Ab 4.5 bar wird das Ventil zum Thema

    Gummi-Snap-in-Ventile der Typen TR413 und TR415 sind nur bis 4.5 bar Kaltdruck zugelassen. Anhänger mit 10- bis 13-Zoll-Rädern laufen aber mit 6.25 bar. Dort gehören Metallventile hin – ein Punkt, den fast keine Reifendruckseite erwähnt.

  • Die Tankstelle schafft das oft nicht

    Viele Kompressoren an Tankstellen kommen über 4 bar kaum hinaus. Für Anhänger mit hohem Solldruck heisst das: Werkstatt statt Tankstelle.

  • Beim Anhänger warnt niemand

    Ein Reifendruck-Kontrollsystem ist für Anhänger erst seit dem 1. April 2024 Pflicht – und nur für die schweren Klassen O3 und O4. Ein normaler BE-Anhänger hat keine Warnlampe. Er steht oft monatelang, verliert dabei Luft und meldet sich nie. Prüfen vor jeder Fahrt ist bei Anhängern deshalb keine Empfehlung, sondern Herstellervorgabe.

  • Beim Anhänger zählt das Alter mehr als das Profil

    Reifen an Anhängern und Wohnwagen altern schneller als vielgefahrene Reifen – sie stehen, sind der Sonne ausgesetzt und werden spröde. Das Herstelldatum steht als vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke: «DOT 4518» heisst 45. Kalenderwoche 2018. Der TCS empfiehlt, Reifen über acht Jahre nicht mehr zu nutzen, auch wenn sie noch Profil haben. Achtung: Die oft zitierte 6-Jahres-Grenze ist eine deutsche Vorschrift aus der dortigen Tempo-100-Zulassung und gilt in der Schweiz nicht.

  • FRT: nicht ans Zugfahrzeug

    Trägt ein Reifen die Kennung «FRT» (Free Rolling Tyre) oder «Anhänger use only», darf er nur auf nicht gelenkte und nicht angetriebene Achsen. Als Ersatzrad fürs Zugfahrzeug taugt er nicht.

Und das Zugfahrzeug?

Die Stützlast drückt auf die Kupplung – und die sitzt hinter der Hinterachse. Sie belastet die Hinterachse deshalb um mehr als ihren eigenen Wert und entlastet gleichzeitig die Vorderachse, was Lenkung und Bremsverhalten spürbar verändert. In der Schweiz wird die Stützlast der Zuladung des Zugfahrzeugs angerechnet. Der richtige Schritt ist deshalb nicht ein pauschaler Zuschlag, sondern die Spalte «voll beladen» aus der Tabelle deines Fahrzeugs – die meisten Autos haben eine. Fehlt sie, empfiehlt der TCS rund 0.2 bar mehr.

Tempolimit für Anhängerzüge in der Schweiz: grundsätzlich 80 km/h (Art. 5 Abs. 1 Bst. a Ziff. 2 VRV), aber seit dem 1. Januar 2021 100 km/h auf Autobahn und Autostrasse, wenn der Anhänger höchstens 3.5 t wiegt und Anhänger, Zugfahrzeug und Reifen dafür zugelassen sind (Art. 5 Abs. 2 Bst. c VRV). Eine Plakette wie in Deutschland gibt es hier nicht – die Verantwortung liegt beim Fahrer.

Kombi mit Einachsanhänger – Anhängerreifen brauchen einen höheren Reifendruck als Autoreifen

Anhängerdruck berechnen

Reifendruck-Tabellen

Alle Tabellen stehen im Quelltext dieser Seite – auch die zugeklappten. Wer den Rechner nicht bedienen will oder kann, findet die Werte trotzdem.

Richtwerte nach Fahrzeugklasse
Orientierungswerte für den Kaltfülldruck nach Fahrzeugklasse
Fahrzeugklasse Beispiele 1–2 Personen Voll beladen
Kleinwagen VW Polo, Fiat 500, Toyota Aygo 2.0 – 2.3 bar 2.2 – 2.5 bar
Kompaktklasse VW Golf, Ford Focus, Škoda Octavia 2.1 – 2.5 bar 2.3 – 2.8 bar
Mittelklasse / Kombi VW Passat, Audi A4 Avant 2.2 – 2.6 bar 2.5 – 3.0 bar
SUV / Geländewagen Toyota RAV4, Škoda Karoq 2.3 – 2.8 bar 2.5 – 3.2 bar
Elektroauto VW ID.3, Tesla Model 3
Akku-Mehrgewicht → ab Werk oft XL- oder HL-Reifen mit höherem Solldruck.
2.5 – 2.9 bar 2.7 – 3.2 bar
Van / 7-Plätzer VW Touran, Renault Espace 2.4 – 2.9 bar 2.7 – 3.3 bar
Transporter VW T6, Ford Transit, Fiat Ducato
C-Reifen. Hinterachse deutlich höher als Vorderachse.
2.8 – 3.5 bar 3.5 – 4.5 bar

Diese Tabelle ist Orientierung, keine Herstellerangabe. Und das ist ehrlicher gemeint, als es klingt: Wir haben die kursierenden Klassentabellen verglichen, und sie widersprechen sich um bis zu 0.5 bar – bei der Hinterachse eines Kleinwagens nennt die eine 2.0–2.3 bar, die andere 1.8–2.0 bar, ohne jede Überlappung. Keine davon nennt eine Quelle. ADAC, Michelin und AMAG veröffentlichen aus genau diesem Grund gar keine Klassenwerte und verweisen ausschliesslich auf den Türholm. Nutze die Tabelle, um deinen abgelesenen Wert einzuordnen – nicht, um ihn zu ersetzen.

Tragfähigkeit: Was ein Reifen bei welchem Druck trägt

Das ist der Kern der ganzen Sache: Der Lastindex gilt nur bei seinem Referenzdruck. Sinkt der Druck, sinkt die Tragfähigkeit mit.

Tragfähigkeit in kg pro Reifen – Standard-Reifen, Referenzdruck 2.5 bar
Lastindex 1.8 bar 2.0 bar 2.2 bar 2.4 bar 2.5 bar 2.6 bar 2.8 bar 3.0 bar
LI 84 (500 kg) 384 418 451 484 500 516 547 579
LI 88 (560 kg) 431 468 506 542 560 578 613 648
LI 91 (615 kg) 473 514 555 595 615 635 673 712
LI 94 (670 kg) 515 560 605 648 670 691 734 775
LI 97 (730 kg) 561 611 659 707 730 753 799 845
LI 99 (775 kg) 596 648 700 750 775 800 849 897
LI 101 (825 kg) 634 690 745 798 825 851 903 955
LI 104 (900 kg) 692 753 813 871 900 929 985 1041

Berechnet aus der Lastindex-Tabelle des UNECE-Reglements Nr. 30 mit dem ETRTO-Zusammenhang Tragfähigkeit ∝ Druck0.80. Dieselbe Rechnung läuft im Rechner oben. Der oft zitierte Exponent 0.585 stammt aus dem US-Normwerk und überschätzt die europäische Tragfähigkeit – wir verwenden ihn bewusst nicht.

Lastindex-Tabelle (LI 60 bis 125)
Lastindex und die zugehörige Tragfähigkeit pro Reifen
LIkgLIkgLIkg
60 250 82 475 104 900
61 257 83 487 105 925
62 265 84 500 106 950
63 272 85 515 107 975
64 280 86 530 108 1000
65 290 87 545 109 1030
66 300 88 560 110 1060
67 307 89 580 111 1090
68 315 90 600 112 1120
69 325 91 615 113 1150
70 335 92 630 114 1180
71 345 93 650 115 1215
72 355 94 670 116 1250
73 365 95 690 117 1285
74 375 96 710 118 1320
75 387 97 730 119 1360
76 400 98 750 120 1400
77 412 99 775 121 1450
78 425 100 800 122 1500
79 437 101 825 123 1550
80 450 102 850 124 1600
81 462 103 875 125 1650

Quelle: UNECE-Reglement Nr. 30, Anhang IV (LI 60–120); LI 121–125 aus UNECE R54 über Herstellerunterlagen.

Anhänger: Reifendruck nach Grösse und nach Achslast
Von Anhängerherstellern angegebene Kaltfülldrücke (Anhängerbetrieb bis 100 km/h)
Reifengrösse LI kg / Reifen Druck Quellen
135/80 R13 70 370 3.0 bar Matador (nur eine Quelle)
145/80 R13 75 425 3.0 bar Matador, Humbaur
155/70 R13 75 425 3.0 bar Matador, Humbaur
155/80 R13 79 480 3.0 bar Matador, Humbaur
155/80 R13 Reinf. 83 535 3.4 bar Matador, Böckmann
165/70 R13 79 480 3.0 bar Matador
165/70 R13C 88 585 3.75 bar Matador
185/70 R13 86 585 3.0 bar Matador, Humbaur, Böckmann
175 R14C 99 810 4.5 bar Matador
185 R14C 102 890 4.5 bar Matador, Humbaur, Böckmann, Unsinn
195 R14C 106 995 4.5 bar Matador, Humbaur
185 R15C 100 840 3.75 bar Matador
225/55 R12C 5.3 bar Böckmann, Unsinn
185/60 R12C 6.25 – 6.5 bar Unsinn, Böckmann, Anssems
195/55 R10C 6.25 bar Humbaur, Böckmann, Unsinn, Anssems
195/50 R13C 104 900 6.25 – 6.5 bar Humbaur, Böckmann, Anssems

Wo sich die Hersteller uneinig sind

Grössen, für die verschiedene Hersteller unterschiedliche Werte nennen
GrösseBelegte SpanneWarum
225/55 R12C 5.3 bis 6.2 bar Grösste belegte Abweichung bei identischer Grössenbezeichnung – 0.9 bar.
155 R13C 2.8 bis 3.5 bar Vermutlich verstärkte Varianten hinter derselben Bezeichnung.
155/80 R13 2.8 bis 3.4 bar Der höhere Wert gilt der Reinforced-Variante (Lastindex 83 statt 79).
195/50 R13C 6.2 bis 6.5 bar Kleine Streuung, aber auf diesem Druckniveau trotzdem relevant.

Nach Achslast statt nach Grösse

Zuordnung eines Herstellers, der den Druck nach Achslast angibt
AchslastÜbliche ReifengrössenDruck
750 kg 145 R13 · 145/80 R13 · 155 R13 · 155/80 R13 2.8 bar
1000 kg 155/80 R13 2.9 bar
1200 – 1300 kg 185/70 R13 3.4 bar
1350 kg 195/70 R14 3.4 bar
1400 kg 185 R14 4.5 bar
1500 – 1750 kg 195/55 R10 · 195/50 R13 · 185/60 R12 6.25 – 6.5 bar

Verbindlich ist das Typenschild deines Anhängers. Diese Werte stammen aus Herstellerunterlagen und stimmen für die aufgeführten Grössen überein – aber sie ersetzen die Angabe für dein konkretes Fahrzeug nicht.

Umrechnung bar, psi und kPa
1 bar = 100 kPa = 14.5038 psi
barpsikPa
1.8 26.1 180
2.0 29.0 200
2.2 31.9 220
2.4 34.8 240
2.5 36.3 250
2.6 37.7 260
2.8 40.6 280
3.0 43.5 300
3.2 46.4 320
3.5 50.8 350
4.0 58.0 400
4.5 65.3 450
5.0 72.5 500
6.0 87.0 600
6.5 94.3 650

In der Schweiz und in Europa wird in bar gerechnet, auf der Reifenflanke steht meist psi, und japanische sowie koreanische Fahrzeuge nennen kPa. Wer 35 psi mit 3.5 bar verwechselt, füllt fast das Doppelte ein.

Geschwindigkeitsindex
Geschwindigkeitssymbol und zulässige Höchstgeschwindigkeit
Symbolkm/h
L120
M130
N140
P150
Q160
R170
S180
T190
U200
H210
V240
W270
Y300

Quelle: UNECE-Reglement Nr. 30 §2.29.1. Für Nutzfahrzeugreifen gilt dieselbe km/h-Zuordnung; die Reihe beginnt dort zusätzlich bei K (110 km/h) und endet bei H. Der Index sagt, bis zu welcher Geschwindigkeit die Tragfähigkeit gilt – er hebt kein Tempolimit auf.

Winter, Sommer und Ganzjahresreifen

Winterreifen brauchen mehr Luftdruck – das steht überall. Die Hersteller sind sich allerdings uneinig, und der eigentliche Punkt ist ein anderer.

  • Der Streit um den Winterzuschlag

    Continental empfiehlt an einer Stelle 0.2 bar mehr für Winterreifen und schreibt an anderer Stelle ausdrücklich, dass es keinen Winterzuschlag braucht. Reifenhändler empfehlen ihn meist, Fahrzeughersteller nennen ihn kaum. Anders gesagt: Wer ihn setzt, macht nichts falsch; wer ihn weglässt, auch nicht.

  • Das eigentliche Winterthema ist die Temperatur

    Ein Reifen, der im August bei 20 °C korrekt auf 2.5 bar gefüllt wurde, zeigt im Januar bei −10 °C nur noch rund 2.15 bar. Diese 0.35 bar sind kein Messfehler, sondern echter Druckverlust in der Wirkung – und deutlich mehr als jeder Zuschlag, über den gestritten wird. Nach dem ersten Kälteeinbruch nachfüllen ist die wichtigste Winterhandlung.

  • Beim Radwechsel gleich mitmachen

    Räder, die ein halbes Jahr im Keller lagen, haben Luft verloren. Der Solldruck ist derselbe wie im Sommer – er hängt am Fahrzeug, nicht an der Jahreszeit. Wichtig: Nach dem Wechsel das Kontrollsystem neu anlernen, sonst warnt es entweder ständig oder gar nicht mehr.

  • Ganzjahresreifen

    Für sie gilt exakt dieselbe Herstellerangabe wie für Sommer- und Winterreifen. Es gibt keinen eigenen Ganzjahres-Druck.

  • Winterreifen und Geschwindigkeitsindex

    Winterreifen dürfen als einzige einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex haben als das Fahrzeug schafft – dann müssen sie aber das Schneeflockensymbol tragen und für mindestens 160 km/h ausgelegt sein, und der Reifenverkäufer muss dir einen Hinweisaufkleber fürs Sichtfeld mitgeben (Art. 59 Abs. 3 und 4 VTS).

Die Kontrollleuchte und das Reifendruck-Kontrollsystem

Das gelbe Hufeisen mit Ausrufezeichen ist die meistgesuchte Reifendruck-Frage überhaupt – und die am schlechtesten erklärte.

Reifendruck-Kontrollleuchte: gelber Reifenquerschnitt mit Ausrufezeichen
  • Was die Leuchte bedeutet

    Mindestens ein Reifen hat deutlich zu wenig Druck. Fahr bei nächster sicherer Gelegenheit raus und prüfe alle vier Räder, auch wenn optisch nichts auffällt: 0.5 bar Unterdruck sieht man einem modernen Reifen nicht an.

  • Wenn sie erst blinkt und dann leuchtet

    Dann meldet das System eine Störung, keinen Druckverlust – typischerweise eine leere Sensorbatterie, ein Sensor, der nach dem Radwechsel nicht angelernt wurde, oder ein defekter Sensor. Der Druck kann dabei völlig in Ordnung sein. Trotzdem prüfen, und dann in die Werkstatt.

  • Direkt oder indirekt

    Direkte Systeme haben einen Drucksensor in jedem Rad und zeigen echte bar-Werte an. Indirekte Systeme rechnen aus den ABS-Raddrehzahlen: Ein Reifen mit weniger Luft hat einen kleineren Abrollumfang und dreht schneller. Indirekte Systeme sind günstiger, brauchen aber nach jeder Korrektur ein Zurücksetzen – und sie erkennen es nicht, wenn alle vier Reifen gleichmässig zu wenig Luft haben.

  • Zurücksetzen nicht vergessen

    Nach jedem Korrigieren des Drucks und nach jedem Radwechsel muss das System neu initialisiert werden – je nach Fahrzeug über einen Knopf im Handschuhfach, ein Menü im Bordcomputer oder in der Werkstatt. Wer das auslässt, hat entweder eine Dauerwarnung oder – schlimmer – eine Warnung, die auf einen falschen Referenzwert kalibriert ist.

  • Ein Kontrollsystem ersetzt die Kontrolle nicht

    Eine europäische Feldmessung an über tausend Fahrzeugen fand selbst bei Autos mit Kontrollsystem noch 8 Prozent mit gefährlichem Unterdruck von 0.5 bar und mehr. Die Systeme warnen erst spät und decken den langsamen, gleichmässigen Schwund kaum ab.

  • Pflicht in der Schweiz

    Für neu zugelassene Personenwagen gilt die Pflicht über Art. 103 Abs. 5 VTS, der auf das EU-Recht verweist – dort seit dem 1. November 2014 für alle Neuzulassungen der Klasse M1. Ältere Autos brauchen kein System, und Direktimporte ohne EU-Gesamtgenehmigung sind bis Anfang 2027 ausgenommen. «Mein Auto hat keine Reifendruck-Warnung» ist also nicht automatisch ein Mangel.

Zu wenig oder zu viel Druck: Was wirklich passiert

Die Zahlen zu diesem Thema werden im Netz munter voneinander abgeschrieben. Hier stehen sie mit Quelle – und mit der Bandbreite, wo die Quellen sich widersprechen.

Belegte Folgen von falschem Reifendruck
WirkungGrössenordnungEinordnung
Mehrverbrauch 0.3 l/100 km bzw. bis zu 6 Prozent bei «zu tiefem» Reifendruck (TCS – die Angabe ist an keinen bar-Wert gebunden). Die Prozentangaben streuen allerdings erheblich: Das deutsche Umweltbundesamt nennt 5 Prozent, Continental rund 2.5 Prozent, das US-Energieministerium nur 1.5 Prozent. Bei 15 000 km und 7 l/100 km ergibt das rund 30 bis 105 Franken pro Jahr.
Bremsweg nass bis +11 m bei 1 bar Abweichung vom Sollwert (Michelin). Die Ausgangsgeschwindigkeit nennt die Quelle nicht.
Bremsweg trocken wird kürzer Überraschend, aber gemessen: DEKRA hat in mehreren hundert Bremsungen festgestellt, dass der Trockenbremsweg mit sinkendem Fülldruck sogar abnimmt. Dafür leiden Lenkpräzision und Ausweichverhalten deutlich. Wer also liest «weniger Luft = längerer Bremsweg», bekommt eine Halbwahrheit serviert – auf Nässe stimmt sie, trocken nicht.
Aquaplaning bis 2× Risiko wenn alle vier Reifen 0.5 bar zu wenig haben (TCS). Die Aufstandsfläche wird flacher und breiter, das Wasser kann schlechter verdrängt werden.
Lebensdauer −20 % bei 20 Prozent Unterdruck – aus 40 000 km werden 32 000 km (Michelin).
Verbreitung 28 – 41 % der Autos fahren mit mindestens 0.3 bar Unterdruck – 41 Prozent ohne Kontrollsystem, 28 Prozent mit direktem System (Feldmessung an 1037 Fahrzeugen in Italien und Portugal, 2018). Eine Schweizer Erhebung dazu gibt es nicht.

Das Verschleissbild verrät den Druck

Drei Reifenlaufflächen im Vergleich: Kantenverschleiss bei zu wenig Druck, gleichmässiger Verschleiss bei korrektem Druck, Mittenverschleiss bei zu viel Druck
Verschleissbild und Ursache
ZustandWas du am Reifen siehst
Zu wenig DruckBeide Aussenkanten laufen sich ab, die Mitte bleibt stehen. Der Reifen wölbt sich unter der Last nach innen.
Richtiger DruckGleichmässige Abnutzung über die ganze Laufflächenbreite.
Zu viel DruckNur die Mitte nutzt sich ab. Die Lauffläche wölbt sich nach aussen, die Aufstandsfläche schrumpft auf einen schmalen Streifen.

Ein Wort zur Einordnung: Man liest gelegentlich, ein erheblicher Teil aller Unfälle gehe auf zu tiefen Reifendruck zurück. Das lässt sich nicht belegen. Die bfu hält auf Basis der ASTRA-Unfallstatistik fest, dass technische Mängel bei weniger als 1 Prozent der Unfälle mit schwerem Personenschaden als Ursache erscheinen – und dass zu geringer Reifendruck dabei «nur selten als Unfallursache dokumentiert» ist. Der Reifendruck ist ein Komfort-, Kosten- und Verschleissthema mit einer Sicherheitskomponente, kein Massenkiller. Das macht ihn nicht unwichtig, aber ehrlicher.

Rechtslage und Bussen in der Schweiz

Erste Überraschung: Es gibt in der Schweiz keinen gesetzlich vorgeschriebenen Reifendruck. Die Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge nennt keinen einzigen Fülldruck-Wert für Reifen.

  • Was stattdessen gilt

    Art. 58 Abs. 1 VTS verlangt «ausreichend tragfähige Luftreifen» – und ausreichend tragfähig ist ein Reifen nur beim korrekten Druck. Dazu kommt die Generalklausel von Art. 29 SVG: Fahrzeuge dürfen nur in betriebssicherem Zustand verkehren. Art. 57 Abs. 1 VRV macht daraus eine Pflicht des Fahrers, sich davon zu überzeugen. Massgebend für die konkrete Zahl ist damit immer die Herstellerangabe.

  • Profiltiefe: 1.6 mm

    Das ist die einzige harte Zahl (Art. 58 Abs. 4 VTS), und sie gilt «auf der ganzen Lauffläche» – der schlechteste Punkt zählt, nicht der Durchschnitt. Sommer- und Winterreifen werden dabei gleich behandelt. Das ASTRA empfiehlt allerdings deutlich mehr: mindestens 3 mm im Sommer und 4 mm im Winter.

  • Keine Winterreifenpflicht

    Das Wort «Winterreifen» kommt in der Verkehrsregelnverordnung kein einziges Mal vor. Wer aber mit ungeeigneten Reifen einen Unfall baut oder den Verkehr behindert, landet über Art. 29 SVG bei Art. 93 SVG – dort reicht der Rahmen von Busse bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.

  • Bussen

    Ein mangelhafter Reifen kostet 100 Franken Ordnungsbusse, beim Anhänger ebenfalls 100 Franken (OBV Anhang 1 Ziff. 402.1 und 402.2). Denselben Betrag kann der Halter fürs Inverkehrbringen bekommen – bei Personenidentität wird aber nicht doppelt gebüsst. Spikes ausserhalb der erlaubten Zeit vom 1. November bis 30. April kosten 60 Franken, Spikes auf der Autobahn ebenfalls 60. Eine Ordnungsbusse beträgt höchstens 300 Franken; darüber wird angezeigt.

  • Überladung hängt direkt damit zusammen

    Wer zu schwer beladen ist, braucht nicht nur mehr Luftdruck, sondern riskiert eine eigene Busse: ab 100 Franken für bis zu 100 kg Übergewicht, 200 Franken bei Kombinationen bis 3.5 t für mehr als 100 kg (OBV Ziff. 300.1). Gewertet wird das Gesamtzugsgewicht, also Auto plus Anhänger.

Keine Rechtsberatung. Massgebend sind die Originaltexte auf fedlex.admin.ch. Konkrete Bussenbeträge findest du im Bussenrechner.

Warum das in der Fahrausbildung vorkommt

Die Fahrzeug- und Sicherheitskontrolle ist Teil der praktischen Führerprüfung. Verkehrsexperten lassen sich Kontrollpunkte am Fahrzeug zeigen – Licht, Blinker, Scheibenwischer, Flüssigkeitsstände und eben auch der Zustand der Reifen. Wer auf die Frage «Wo steht der vorgeschriebene Reifendruck für dieses Fahrzeug?» sofort den Türholm öffnet, hat einen guten Start. Und wer mit dem eigenen Auto zur Prüfung antritt, muss es ohnehin in betriebssicherem Zustand vorführen – ein Reifen unter 1.6 mm Profil ist dort ein Ausschlussgrund, nicht ein Schönheitsfehler.

Häufige Fragen zum Reifendruck

Wie viel bar Reifendruck braucht mein Auto?

Bei den allermeisten Personenwagen liegt der Wert zwischen 2.0 und 3.0 bar. Verbindlich ist aber nur die Angabe deines Fahrzeugherstellers – sie steht am Türholm der Fahrertür, in der Tankklappe oder im Handschuhfach. Kleinwagen liegen typischerweise bei 2.0 bis 2.3 bar, die Kompaktklasse bei 2.1 bis 2.5 bar, SUV bei 2.3 bis 2.8 bar und Transporter bei 3.0 bis 4.5 bar. Diese Klassenwerte sind Orientierung, keine Herstellerangabe für dein Fahrzeug.

Ist ein Reifendruck von 2.5 bar gut?

2.5 bar ist für einen Mittelklassewagen oder ein Kompakt-SUV ein völlig plausibler Wert – für einen kleinen Stadtwagen wäre es eher etwas viel, für einen Transporter deutlich zu wenig. «Gut» ist der Druck, den dein Fahrzeughersteller für deine Reifengrösse und deinen Beladungszustand angibt. Interessant nebenbei: 2.5 bar ist auch der Referenzdruck, bei dem der Lastindex eines normalen PKW-Reifens gilt.

Sind 3 bar Reifendruck zu viel?

Nicht grundsätzlich. Viele Vans, Transporter und voll beladene Kombis fahren serienmässig 3 bar und mehr. Zu viel ist es dann, wenn es deutlich über der Herstellerangabe liegt: Dann wölbt sich die Lauffläche, die Aufstandsfläche schrumpft, der Reifen nutzt sich in der Mitte ab und der Komfort leidet. Der maximal zulässige Kaltfülldruck liegt bei normalen PKW-Reifen bis Geschwindigkeitssymbol T bei 3.2 bar, bei H-, V-, W-, Y- sowie XL-, Reinforced- und HL-Reifen bei 3.5 bar.

Ist 17 ein zu hoher Reifendruck?

Umgekehrt: 17 ist viel zu wenig – aber die Frage verwechselt die Einheiten. 17 psi sind nur 1.17 bar. Das ist gefährlicher Unterdruck. Ein normaler PKW-Wert von 2.4 bar entspricht rund 35 psi. Faustregel: 1 bar sind 14.5 psi, und 1 bar sind 100 kPa.

Sind 2 bar Reifendruck zu wenig?

Für die meisten Fahrzeuge ja, zumindest knapp. 2.0 bar liegt am unteren Ende dessen, was überhaupt vorkommt, und gilt allenfalls für leichte Kleinwagen mit einer Person an Bord. Sobald du beladen bist oder ein grösseres Auto fährst, ist 2.0 bar zu wenig. Ab 0.5 bar unter dem Sollwert spricht die Fachliteratur von gefährlicher Unterfüllung.

Wie berechne ich den richtigen Reifendruck?

Physikalisch hängt die Tragfähigkeit eines Reifens von seinem Fülldruck ab: Ein Reifen mit Lastindex 91 trägt 615 kg – aber nur bei 2.5 bar. Aus der Radlast lässt sich damit der Mindestdruck zurückrechnen. Genau das macht der Rechner auf dieser Seite: Er verteilt dein Gewicht auf Vorder- und Hinterachse, rechnet die Last pro Reifen aus und daraus den nötigen Druck. Das Ergebnis ist ein Mindestwert – der Wert deines Fahrzeugherstellers liegt bewusst darüber und darf nie unterschritten werden.

Muss der Reifendruck kalt gemessen werden?

Ja. Alle Herstellerangaben gelten für den kalten Reifen. «Kalt» heisst nach Michelin: Das Fahrzeug stand zwei Stunden oder ist höchstens 3 km langsam gefahren. Nach einer halben Stunde Autobahn liegt der Druck 0.3 bis 0.5 bar höher – wer dann auf den Sollwert ablässt, fährt nach dem Abkühlen mit deutlichem Unterdruck. Musst du warm messen, füll auf Sollwert plus 0.3 bar.

Wie stark verändert die Temperatur den Reifendruck?

Ein Reifen ist ein geschlossenes Volumen, deshalb steigt und fällt der Druck mit der absoluten Temperatur. Bei einem Reifen mit 2.5 bar bedeuten 10 °C Unterschied rund 0.12 bar. Von 20 °C im Sommer auf −10 °C im Winter sind das 0.36 bar – ein im August korrekt gefüllter Reifen ist im Januar real unterfüllt. Die gängige Faustregel «0.1 bar pro 10 °C» stimmt nur für einen Reifen mit knapp 1.9 bar und unterschätzt den Effekt bei allen üblichen Drücken.

Muss ich den Reifendruck in den Bergen anpassen?

Nein. Der Effekt ist real, aber klein und hebt sich weitgehend selbst auf. Ein Manometer misst den Überdruck gegenüber der Umgebung. Fährst du von Zürich auf 400 m hinauf auf 2000 m, sinkt der Umgebungsdruck um rund 0.17 bar – der angezeigte Reifendruck steigt also um denselben Betrag. Gleichzeitig ist es oben rund 10 °C kälter, was etwa 0.12 bar wieder wegnimmt. Netto bleiben rund 0.05 bar, das ist weniger als die Ablesegenauigkeit der meisten Manometer. Wichtig: Manche Ratgeber behaupten, der Reifen werde in der Höhe weicher. Das ist falsch – er wird minimal härter.

Wie viel Bar braucht ein 750-kg-Anhänger?

Das hängt nicht vom Gesamtgewicht ab, sondern vom Reifen. Typische 750-kg-Anhänger laufen auf 145 R13 oder 155/80 R13 und werden vom Hersteller mit rund 2.8 bis 3.0 bar angegeben. Anhänger mit kleinen Rädern wie 195/50 R13C oder 195/55 R10C brauchen dagegen 6.25 bis 6.5 bar. Verbindlich ist das Typenschild des Anhängers: Die Angaben verschiedener Hersteller weichen für dieselbe Reifengrösse teils um mehr als 1 bar voneinander ab.

Warum brauchen Anhängerreifen so viel mehr Druck als Autoreifen?

Weil sie fast immer an ihrer Tragfähigkeitsgrenze arbeiten, und Tragfähigkeit entsteht aus Luftdruck. Dazu kommt eine ETRTO-Sonderregel: An Anhängern mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 100 km/h darf ein PKW-Reifen 10 Prozent mehr tragen als am Auto – dafür braucht er 0.2 bar mehr Druck. Bei C-Reifen sind es 5 Prozent mehr Tragfähigkeit bei 6 Prozent mehr Druck. Ein 155/80 R13 trägt am Auto 437 kg bei 2.4 bar, am Anhänger 480 kg bei 3.0 bar.

Muss ich den Reifendruck am Zugfahrzeug erhöhen, wenn ein Anhänger dranhängt?

Ja – aber nimm dafür nicht irgendeinen Zuschlag, sondern die Spalte «voll beladen» aus der Tabelle deines Fahrzeugs. Die Stützlast drückt auf die Kupplung hinter der Hinterachse, wird in der Schweiz der Zuladung des Zugfahrzeugs angerechnet und belastet die Hinterachse zusätzlich, während sie die Vorderachse entlastet. Hat dein Fahrzeug keine Volllast-Spalte, empfiehlt der TCS rund 0.2 bar mehr. Der ADAC gibt bewusst keinen pauschalen Zuschlag an, sondern verweist auf die Herstellertabelle – dort kann der Unterschied zwischen leer und voll beladen bis zu 1 bar betragen.

Was bedeutet die gelbe Reifendruck-Warnleuchte?

Das Hufeisen-Symbol mit Ausrufezeichen zeigt an, dass mindestens ein Reifen deutlich zu wenig Druck hat. Fahr an der nächsten sicheren Gelegenheit ran und prüf alle vier Räder – auch wenn optisch nichts auffällt: 0.5 bar Unterdruck sieht man einem Reifen nicht an. Blinkt die Leuchte erst und leuchtet dann dauerhaft, liegt eine Systemstörung vor, nicht zwingend ein Druckverlust. Nach dem Korrigieren des Drucks oder nach einem Reifenwechsel muss das System zurückgesetzt beziehungsweise neu angelernt werden.

Ist ein Reifendruck-Kontrollsystem in der Schweiz Pflicht?

Für neu zugelassene Personenwagen ja: Art. 103 Abs. 5 VTS verweist auf das EU-Recht, das für alle Neuzulassungen der Klasse M1 seit dem 1. November 2014 ein Reifendruck-Überwachungssystem verlangt. Ältere Fahrzeuge müssen keines haben. Für Anhänger gilt die Pflicht erst seit dem 1. April 2024 und nur für die schweren Klassen O3 und O4 – ein normaler BE-Anhänger hat also keine Warnlampe. Genau deshalb muss man dort selbst prüfen.

Wie viel Sprit kostet zu wenig Reifendruck?

Der TCS beziffert den Mehrverbrauch bei zu tiefem Reifendruck auf bis zu 0.3 l/100 km beziehungsweise bis zu 6 Prozent – ohne die Angabe an einen bar-Wert zu binden. Bei 15 000 km im Jahr und 7 l/100 km sind das rund 45 Liter oder etwa 90 Franken. Die Quellen streuen allerdings erheblich: Das deutsche Umweltbundesamt nennt 5 Prozent Mehrverbrauch pro 0.5 bar, das US-Energieministerium nur rund 1.5 Prozent. Ehrlich ist deshalb eine Spanne von etwa 30 bis 105 Franken pro Jahr.

Verlängert zu wenig Reifendruck den Bremsweg?

Auf nasser Fahrbahn ja – Michelin nennt bis zu 11 Meter Unterschied bei 1 bar Abweichung, allerdings ohne die Ausgangsgeschwindigkeit zu nennen. Auf trockener Fahrbahn ist es überraschenderweise umgekehrt: DEKRA hat in mehreren hundert Bremsungen gemessen, dass der Trockenbremsweg mit sinkendem Druck sogar kürzer wird. Der Haken dabei: Lenkpräzision und Ausweichverhalten werden schlechter, der Reifen überhitzt und verschleisst. Unterdruck ist also auch trocken keine gute Idee, nur nicht aus dem Grund, den die meisten Ratgeber nennen.

Wie oft sollte man den Reifendruck prüfen?

Einmal im Monat, jeweils am kalten Reifen, plus vor jeder längeren Fahrt. Reifen verlieren durch Diffusion von allein Luft – der TCS nennt rund 0.1 bar pro Monat, Michelin 0.07 bar, der ADAC ist mit 0.1 bar in drei Monaten deutlich konservativer. Verliert ein Reifen spürbar mehr, ist das kein normaler Schwund, sondern ein Fall für die Werkstatt.

Bringt eine Stickstofffüllung etwas?

Für einen normalen Personenwagen nicht. Normale Luft besteht bereits zu 78 Prozent aus Stickstoff, handelsübliches Reifengas aus etwa 90 Prozent. Der ADAC hat gemessen, dass sich die Druckunterschiede auch nach Monaten nur um wenige Hundertstel bar bewegen, und rät ab; der TCS formuliert es ähnlich. Der Temperatureffekt ist mit Stickstoff exakt gleich gross, und die regelmässige Kontrolle ersetzt er auch nicht.

Braucht ein Winterreifen mehr Luftdruck?

Da sind sich die Hersteller uneinig. Continental empfiehlt 0.2 bar mehr, hält an anderer Stelle aber ausdrücklich fest, dass es keinen Winterzuschlag braucht. Unstrittig ist der eigentliche Punkt: Die kalte Jahreszeit selbst senkt den Druck um bis zu 0.35 bar. Wer im Winter auf den Sollwert füllt und dabei kalt misst, hat alles richtig gemacht – der Zuschlag ist Komfortsache, das Nachfüllen im Winter nicht.

Gibt es in der Schweiz einen gesetzlich vorgeschriebenen Reifendruck?

Nein. In der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge steht kein einziger vorgeschriebener Reifenfülldruck – die Wörter «Luftdruck» und «Fülldruck» kommen dort im Reifenkontext gar nicht vor. Art. 58 Abs. 1 VTS verlangt lediglich «ausreichend tragfähige Luftreifen» – und ausreichend tragfähig ist ein Reifen nur beim korrekten Druck. Rechtlich greift der Reifendruck damit über die allgemeine Betriebssicherheit nach Art. 29 SVG. Eine harte Zahl gibt es nur bei der Profiltiefe: 1.6 mm nach Art. 58 Abs. 4 VTS, und ein mangelhafter Reifen kostet 100 Franken Ordnungsbusse.

Fahrzeugkontrolle ist Prüfungsstoff – üben kann man sie

Reifendruck, Profiltiefe, Kontrollleuchten: In der praktischen Prüfung wird das gefragt, und in der ersten Fahrstunde erklärt es dir jemand am echten Auto. Finde eine Fahrschule in deiner Nähe.

Quellen

  1. UNECE-Reglement Nr. 30, Anhang IV – Lastindex-Tabelle (LI 60–120).
  2. Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS, SR 741.41), insbesondere Art. 58, 59, 61/62, 103 Abs. 5 und Art. 187.
  3. Ordnungsbussenverordnung (OBV, SR 314.11), Anhang 1 Ziff. 402 und 502, Stand 1. Juli 2026.
  4. Verkehrsregelnverordnung (VRV, SR 741.11) und Strassenverkehrsgesetz (SVG, SR 741.01), Art. 29 und 93.
  5. ETRTO Standards Manual, Load/Inflation-Tabellen; Continental Reifen-Ratgeber 2025, Tabellen 1–4 sowie Betriebsvorschriften für Anhänger.
  6. TCS: Reifendruck-Kontrollsysteme im Test, FAQ Reifen, Faktenblatt CO₂.
  7. Michelin Schweiz: «Welcher Reifendruck für mein Auto?» und «Wie pumpt man Reifen auf?».
  8. ADAC: «Der richtige Luftdruck beim Auto»; DEKRA Road Safety zu Fülldruck und Bremsweg.
  9. bfu / sinus-plus.ch auf Basis der ASTRA-Unfallstatistik zu technischen Mängeln als Unfallursache.
  10. ASTRA-Blog «Winterpneus: Von Oktober bis Ostern» zu den empfohlenen Profiltiefen.

Zuletzt geprüft am 2. August 2026.